Rotenburg. Fast 7 Jahre hat es gedauert, bis der NABU Rotenburg alle Genehmigungen und
entsprechende Fördermittel für die Renaturierung der Rodau bei Rotenburg beisammen hatte. „Am 11. August gehen die Arbeiten nun endlich los“, sagt der Vorsitzende Roland Meyer. Er dankt
insbesondere dem Landkreis Rotenburg, der das Vorhaben von Anfang an sehr konstruktiv begleitet und schließlich sogar die Verantwortung für die vorgeschriebene europaweite Ausschreibung und die
Bauphase übernommen hat.
Geplant ist, die Rodau ab etwa der Brücke Stockforthsweg rund 1,5 Kilometer flussaufwärts ökologisch aufzuwerten. „Wir bauen Strömungslenker ein, damit sich wieder Mäander entwickeln. Sogenannte Raubäume sollen Fischen Versteckmöglichkeiten bieten und Kiesschüttungen erhöhen punktuell die Fließgeschwindigkeit. Das verhindert, dass sich dort Sand absetzt“, sagt Meyer. So entstünden Laichplätze. NABU-Kollege Martin Kogge ergänzt: „Außerdem flachen wir stellenweise die Uferböschungen ab, damit das Wasser wieder besser in die Aue hinein- und zurückfluten kann. Dort können sich dann auch Erlen ansiedeln, die das Ufer befestigen und den Fluss beschatten.“ Das sei gerade im Hinblick auf den Klimawandel wichtig.
Der Erfolg hat viele Mütter und Väter. Für die Vor- und Detailplanung, das vorgeschriebene hydraulische
Gutachten und weitere Genehmigungsunterlagen hatte der NABU den Ingenieurdienst Nord (IDN) aus
Oyten gewonnen. Für die wohlwollende Begleitung des Vorhabens danken die Naturschützer außer dem Naturschutzamt und dem Amt für Wasserwirtschaft beim Landkreis dem Unterhaltungsverband, dem
Angelverein, dem Buschhof Schröder und den oberhalb liegenden Grundeigentümern. „Und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz NLWKN und letztlich die EU
haben die dringend benötigten Fördermittel bewilligt. Danke auch dafür“, sagt Meyer.
Die Rodau entspringt bei Visselhövede und mündet nach gut 24 Kilometern bei Rotenburg in die Wiedau. Nach den Kriterien der EG-Wasserrahmenrichtlinie stuft der NLWKN ihren Gesamtzustand statt des vorgeschriebenen „gut“ als lediglich „mäßig“ ein. Gefordert wurden für die Rodau unter anderem das „Zulassen eigendynamischer Veränderungen im Gewässerbett“, das „Ausweiten eines naturnahen Auenbereichs“ und die „Förderung standorttypischer Gehölze“. Genau solche Maßnahmen würden jetzt umgesetzt, erläutert Kogge. Die Renaturierung wird dadurch möglich, dass der NABU in den vergangenen Jahren in diesem Teilabschnitt der Rodau mehr als 10 Hektar Grünland beiderseits des Flusses kaufen konnte. Meyer erklärt: „Weil betroffene Grundstücksbesitzer Renaturierungen zustimmen müssen, kommt es oft gar nicht zu solchen Plänen. Denn wenn sich ein Fluss eigendynamisch entwickeln darf, könnte vielleicht bei einem Bauern ein Stück Ufer abbrechen und gegenüber die Wiese des nächsten Landwirts über die Jahre etwas wachsen. Da sind die Interessen kaum unter einen Hut zu bekommen.“ Die Situation oberhalb der Brücke am Stockforthsweg sei daher „ein Glücksfall für die Natur“.
Die Wiesen selbst haben die Naturschützer seit einigen Jahren an den Buschhof Schröder aus Rotenburg verpachtet. „Schonende Mahd am rechten und extensive Beweidung am linken Ufer haben inzwischen zu einem für Pflanzen- und Tierwelt sehr wertvollen Mosaik an Lebensräumen geführt“, berichtet Biotopbetreuer Holger Bargemann vom NABU. Dazu passe, dass nun endlich auch der Flusslauf selbst wieder abwechslungsreich werde.
Bild: Gesa Adlung (v. l.), Unterhaltungsverband-Geschäftsführer Lasse Störmer, Ronja Schuldt, Holger Bargemann, Nabu-Bufdi Leni Siekemeyer, Christoph Schröder, Martin Kogge und Roland Meyer freuen sich, dass die Pläne für die Rodau umgesetzt werden. © Holger Heitmann
Rotenburg. In einer Gemeinschaftsaktion haben der Rotenburger Angelverein ASV Wümme und der
NABU Rotenburg jetzt festgestellt, welche Fischarten in welchem Mischungs- und Altersverhältnis die Rodau besiedeln. Hintergrund ist die Renaturierung des Flüsschens nach den Plänen des NABU, die
der Landkreis Rotenburg in diesen Tagen beginnt. Die schonende Bestandsaufnahme unter der Leitung von Ralf Gerken vom Anglerverband Niedersachsen und Jens Engelken vom Angelverein Lauenbrück soll
dazu dienen, durch einen Vergleich mit in ein paar Jahren zu gewinnenden neuen Ergebnissen zu zeigen, wie wirksam die vom Land und der EU geförderten nun anstehenden Strukturverbesserungen sind.
Die etwa zweistündige Untersuchung fand stichprobenhaft in einem 500 Meter langen Abschnitt oberhalb der Stockforthswegbrücke bei Rotenburg statt. Gerken, Engelken und ein Helfer waten mit zwei Keschern stromauf, mit deren Hilfe ein schwacher elektrischer Impuls ans Wasser abgegeben wird. Fische in unmittelbarer Nähe reagieren auf das kurzzeitige Elektrofeld damit, dass sie sich leicht betäubt auf die Kescher zu bewegen. So können sie noch im Fluss bestimmt, vermessen und unversehrt wieder zurückgesetzt werden.
Überrascht waren die Fließgewässer- und Naturschützer einerseits von der Vielfalt, auf die sie in dem rund 500 Meter langen Abschnitt ab der Stockforthsbrücke aufwärts gestoßen sind. „Wir haben insgesamt 16 Fischarten gefunden – von Rotauge, Rotfeder, Döbel, Gründling und Schmerle über beispielsweise Meer- und Bachforelle bis hin zu Schmerlen und Koppen“, resümiert Gerken. Aber: Die Häufigkeit einiger und die Seltenheit anderer Spezies belege, dass die Struktur im Fluss nicht intakt sei, so der Experte. Roland Meyer vom NABU sagt: „Gerade von den Arten, die zum Laichen auf Kies in der Sohle und auf schneller fließende Bereiche angewiesen sind, wie zum Beispiel Koppen und Forellen, wurden nur sehr wenige Exemplare festgestellt. Anspruchslose Arten wie das Rotauge und der Döbel waren dagegen in unnatürlich hohen Stückzahlen anzutreffen.“
Die Untersuchungsmethode ist sehr schonend und seit vielen Jahrzehnten üblich, um Artenzusammensetzungen in Gewässern auf den Grund zu gehen. Sie wurde von der Naturschutzbehörde genehmigt und finanziert. In den kommenden Wochen werden auf rund 1,3 Kilometern Flusslauf Kiesbetten, Strömungslenker und Fischverstecke aus Totholz eingebaut sowie Ufer abgeflacht. So wird die Rodau in diesem Abschnitt wieder ein abwechslungs- und strukturreicher Lebensraum für viele gewässertypische Arten. Dadurch wird auch der Zustand des Naturschutz- und FFH-Gebietes verbessert. In ein paar Jahren soll die Befischungsaktion wiederholt werden, um die Wirksamkeit der Renaturierung zu überprüfen. Die Fachleute meinen: Dann sind die einst für hiesige Bäche typischen Koppen, Schmerlen und Forellen vermutlich wieder häufiger.